Was bedeutet der Name Palästina?

Fredi Winkler

01 Juli 2024

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Die allgemeine Meinung ist, dass der Name Palästina von den Philistern stammt und so etwas wie «Philisterland» bedeutet. Kaiser Hadrian habe 135 n.Chr., nach dem zweiten jüdischen Aufstand, dem Land den Namen Palästina gegeben, damit das Land nicht mehr Israel genannt werde. Die Frage ist nun: Stimmt diese Annahme?  

 

Das erste Vorkommen des Namens Palästina

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot nannte im 5. Jahrhundert v. Chr. das Land zwischen Phönizien im Norden und Ägypten im Süden Palästina-Syrien.

In der hebräischen Bibel wird das Land der Philister Peläschät genannt, und seine Ausdehnung am südlichen Küstenstreifen des Landes ist geografisch klar begrenzt. In der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die um 200 v.Chr. entstand, wurde der Name Philister bezeichnenderweise nicht als palaistinoi übersetzt, sondern als philistiim, eine Transkription von dem hebräischen Wort Peläschät. Doch warum hatten sie denn nicht palaistinoi benutzt, wenn es doch angeblich eine Bezeichnung für die Philister gab?

Herodot bezeichnete die Einwohner Palästinas als Beschnittene, was für die Israeliten richtig ist, aber für die Philister eindeutig nicht zutrifft.

Hundert Jahre nach Herodot beschreibt Aristoteles ebenfalls Palästina und erwähnt dabei das Tote Meer. Doch das Gebiet der Philister war weit weg vom Toten Meer.

Später gebrauchten römische Schreiber ebenfalls den Namen Palästina für das Land und erwähnten, dass die Einwohner des Landes den Sabbat halten, was auf die Juden zutrifft, aber nicht auf die Philister.

Diese und andere historische Unstimmigkeiten veranlassten David Jacobson von der Universität London, die traditionelle Meinung über den Namen Palästina zu hinterfragen.

 

Israel in der Bibel

Der Name Israel wurde dem Stammvater Jakob von Gott selbst gegeben, als er mit dem HERRN rang (1Mo 32,29). Danach wurden die Nachkommen Jakobs «Volk Israel» genannt. Als Israel dann im Lande wohnte, ging der Name auch auf das Land über.

Als das Königreich Israel nach Salomo in Judäa und Israel geteilt wurde, wurde der Name Israel weiterhin für das ganze Volk gebraucht. Um jedoch geografisch unterscheiden zu können, wurde Judäa als Name für das südliche Königreich wichtig.

Nach der Wegführung der zehn Stämme, also dem nördlichen Königreich Israel, durch Sanherib verschwand dann nach und nach Israel als Bezeichnung für das Land. Ein klarer Beweis dafür ist die Bezeichnung «Juden», die zur Bezeichnung für das ganze Volk und ihre Religion wurde. Der Name Israel wurde erst wieder neu belebt, als der moderne Staat Israel gegründet wurde, aber die Benennung Juden ist bezeichnenderweise bis heute die allgemeine Bezeichnung für das Volk und ihre Religion, auch für die, die nicht im Land wohnen.

 

Griechisch als vorherrschende Sprache

Mit den Eroberungen Alexanders des Grossen kam das Land Israel 332 v.Chr. unter hellenistischen Einfluss, und Griechisch wurde als Handelssprache immer wichtiger, insbesondere später im östlichen Teil des Römischen Reichs und damit auch im Land Israel. Dass das Neue Testament in Griechisch verfasst wurde, ist ein klares Zeugnis davon.

Die Griechen liebten es, fremde Völker zu fragen: Was bedeutet euer Name? Was haben die Israeliten zur Antwort gegeben? Eben Israel, hergeleitet von ihrem Stammvater Jakob, der mit Gott gerungen hatte, und den Gott selbst zu Israel umbenannte. Diese Geschichte musste auf die Griechen mit ihrer Mythologie einen gewaltigen Eindruck gemacht haben.

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Was heisst nun ein Ringkämpfer auf Griechisch? Die Antwort ist verblüffend, nämlich palaistes, das sehr ähnlich klingt wie Palästina und Palästinenser. Diese verblüffende Ähnlichkeit im Klang legt schon nahe, dass der Name Palästina eben nichts mit den Philistern zu tun hat, sondern mit dem griechischen Wort palaistes, für Ringkämpfer, weil Jakob mit Gott gerungen hatte.

Die Griechen liebten es ausserdem, fremden Ländern eigene griechische Namen zu geben, die in ihrer Sprache verständlich waren. «Phönizien» und «Ägypten» beispielsweise stammen von griechischen Bezeichnungen für diese Länder. Wahrscheinlich wissen nur wenige, dass Ägypten in der ursprünglichen Landessprache «Kemet», also im Unterschied zum hellen Sand der Wüste «das Schwarze», genannt wurde.

Dasselbe Muster können wir zum Beispiel auch an Deutschland sehen. Was bedeutet Deutsch eigentlich? Dafür gibt es gar keine klare Antwort, weil das Wort aus dem Altgermanischen stammt. So wird Deutschland in Englisch Germany genannt und in Französisch Allemande, also so, dass es in ihren Sprachen verständlich ist. So könnten wir mit anderen Beispielen fortfahren.

 

Der Rückgang der hebräischen Sprache

Mit dem jüdischen Aufstand gegen die Römer und der Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. hatte das Judentum im Land an Bedeutung verloren, und damit auch die hebräische Sprache.

Nach dem zweiten Aufstand der Juden gegen die Römer in den Jahren 132 bis 135, der für die Juden vernichtend endete, hatte Hebräisch keine Bedeutung mehr im Land. Damit ist es nur logisch, dass das Land nicht mehr Judäa genannt wurde und schon gar nicht Israel, zumal dieser Name schon lange nicht mehr in Gebrauch war.

Die griechische Sprache war jetzt die vorherrschende Sprache, also wurde das Land offiziell mit dem schon lange bestehenden griechischen Namen Palästina benannt. So blieb es bis zur Gründung des modernen Staates Israel.

Die Theorie, dass der Name Palästina von den Philistern stammt, kann auch deshalb nicht stimmen, weil die Philister ebenso wie die 10 Stämme Israels schon von den Assyrern im 6. Jahrhundert v. Chr. deportiert wurden und die historische Erinnerung an die Philister schon lange vor den Römern untergegangen war.

 

Jerusalem wird in Aelia Capitolina umbenannt

Die Stadt Jerusalem war nach dem ersten Aufstand nicht total zerstört worden. Doch nach dem zweiten Aufstand im Jahr 135 beschlossen die Römer, ganze Sache zu machen. Sie zerstörten alles gründlich von dem, was noch übrig geblieben war und an das Judentum erinnerte, auch die Überreste des Tempels, der, wie man annimmt, als Ruine noch vorhanden war, und bauten Jerusalem neu als römische Stadt auf.

Das alles geschah unter Kaiser Hadrian, dessen voller Name Publius Aelius Hadrianus war. Er nannte die Stadt Colonia Aelia Capitolina, nach seinem Namen und dem Kapitolhügel in Rom, wo die römischen Götter verehrt wurden. Die Stadt wurde dann meistens nur Aelia genannt, weil der volle Name zu lang war. Das blieb so bis 325 n.Chr., als unter Kaiser Kon-stantin dem Grossen die Stadt Jerusalem christlich und damit zum heiligen Jerusalem für die Christen wurde.

Diese Änderung des Namens der Stadt Jerusalem in Colonia Aelia Capitolina durch Kaiser Hadrian ist eine historische Tatsache. Die angebliche Änderung des Namens des Landes durch Hadrian von Israel zu Palästina, das angeblich Philisterland bedeuten soll, ist, nachdem wir mehr historische Fakten kennen, eine historisch nicht wirklich fundierte Annahme.

 

Die unbekannte Bedeutung des Namens Palästina

Auch wir verwenden griechische Wörter, von denen wir oftmals gar nicht wissen, dass sie griechischer Herkunft sind und was sie ursprünglich genau bedeuten. So ist es offensichtlich auch mit dem Namen Palästina geschehen. Er ist ausserdem wohlklingend, schön und in biblischen Lexika und theologischen Werken bis heute gebräuchlich, obwohl der Name Palästina heutzutage durch den israelisch-palästinensischen Konflikt einen schlechten Beigeschmack bekommen hat. Darum wäre es im biblischen und theologischen Zusammenhang besser, das Land mit dem Namen Israel zu benennen, wie es auch in der Bibel genannt wird, zumal der Name Palästina dort gar nicht vorkommt.

Es ist anzunehmen, dass, wenn die Palästinenser wüssten, dass der Name Palästina in Wirklichkeit Israel bedeutet, sie ihren Namen schleunigst ändern würden.